Mittwoch, 28. Dezember 2016

Schlacht von Termoli 1943



Ein Divisions-Szenario in 6mm für die "Great Battles of WW2" Regeln von Bruce McFarlane:


Historische Situation im Oktober 1943

Nach der Eroberung von Sizilien im Sommer waren die Alliierten am 9.September 1943 in Salerno im Süden von Italien gelandet. Bis zum Oktober hatte sich die Wehrmacht auf die „Volturno-Linie“ zurückgezogen. Der Fluss Biferno bildete auf seinem 80 km langen Lauf aus dem Apennin-Gebirge Richtung Adria den östlichen Teil der Stellung. 




Die kleine Hafenstadt Termoli liegt gleich nördlich der Flussmündung und wurde von Elementen der deutschen 1.Fallschirmjäger-Division gehalten.
Montgomery entwickelte den Plan, die Verteidigung des Biferno-Flusses über eine Flankierung von See aus zu umgehen. 




Mit einer amphibischen Landung der Special Service Brigade gelang es am 3.Oktober, die deutschen Verteidiger von Termoli zu überrumpeln und einen Brückenkopf zu bilden. Die deutschen hatten zwar alle Brücken über den Biferno nach Süden gesprengt, es gelang aber der von Tarent herangeführten 78th britischen Division eine provisorische Pontonbrücke über den Strom zu schlagen und bis zum 4. Oktober eine verstärkte Inf. Brigade in den Brückenkopf nachzuschieben.


Unglücklicherweise für die Briten setzte nun heftiger Regen ein, welcher die Pontonbrücke fortschwemmte und sämtliche Furten unpassierbar machte. Das Deutsche Oberkommando unter Kesselring hatte gleich nach der Landung die 16. Panzerdivision herangeführt. Am 5.Oktober setzten zwei ihrer Kampfgruppen zum entscheidenden Gegenstoß auf Termoli an. Gleichzeitig versuchten die Pioniere der britischen 78th Division die Verbindung über eine neue Bailey-Brücke wieder her zu richten.







Szenario der Schlacht von Termoli 1943

Wir hatten uns die Schlacht von Termoli als Szenario für die „Great Battles of WW2“ Regeln von Bruce McFarlane ausgesucht. Das Szenario kann hier als pdf heruntergeladen werden:


Hier kann man die Regeln als pdf erwerben:








Es simuliert ein Gefecht von 2 Tagen mit je einer Division pro Seite. Uns schien es wegen der Plattendimensionen von 5x5 Fuß und der überschaubaren Armeegrößen in 6mm als gut geeignet für unsere Möglichkeiten. Attraktiv ist vor allem, dass beide Seiten im Wechsel angreifen sollten ( der Deutsche am ersten und der Brite am zweiten Schlachttag).

Die Platte hatten wir in der erprobten Technik nach Bruce Weigle angefertigt. Eine ausführliche Beschreibung seiner Technik findet sich hier:



Die Platte in Größe 5x5 Fuß















Im Wesentlichen handelt es sich um einen Styrodurkern mit einem Überzug aus weißem Baumwollfilz und beige gefärbtem T-Shirt-Stoff. Das Gelände ist nachträglich mit Acrylfarben über Pinsel und Airbrush aufgetragen. Häuser und Bäume sind alle selbst angefertigt und mit Doppelklebeband oder Stecknadeln angeheftet.

Die Truppen sind mit 6mm Figuren von GHQ dargestellt, basiert auf Metallbasen. Eine Base entspricht in etwa einer Kompanie. Der Geländemaßstab beträgt 1“=185 Meter,  eine Spielrunde entsprechen zwei Stunden Realzeit und das Szenario dauert vom Morgen des 5.Oktobers bis zum Abend des 6. Oktobers 1943.







Die Truppen:

16.Panzerdivision


Divisions-Kommandeur Gen.-Maj. Rudolf v. Sieckenius








Die 16.PzDiv. hatte sich nach heftigen Abwehrkämpfen bei Salerno in einer Ruhestellung befunden. Für den Anmarsch gegen Termoli konnten zwei ihrer Kampfgruppen mobilisiert werden.



Bernd v. Doering
1. Kampfgruppe von Doering

Die Kampfgruppe bestand im Kern aus den zwei Bataillonen des 79. PzGrenRgt mit angegliederten Panzer ( Panzer IV ) und Panzerspähabteilungen.









Joachim Stempel
2. Kampfgruppe Stempel

Die zweite Kampfgruppe war um die zwei Bataillone des 64.PzGrenRgt gruppiert, ergänzt um eine Sturmgeschützabteilung und eine Sturmpionierkompanie.








Die beiden deutschen Kampfgruppen und HQ 16.PzDiv




Die britische 78th "Battle-Axe" Division mit unterstellten Truppen


Divisionskommandeur Major-General Vyvyan Evelegh



Der Brückenkopf in Termoli wird gehalten von der 3rd Commando Brigade in Stärke von zwei Bataillonen unter dem Kommando von Brigadier Dunford-Slater.









36th Inf.Brig
Entlang der Forward-Defensive-Line dürfen sich die drei Regimenter der 36th Inf.Brigade unter Douglas Packard platzieren, verstärkt mit je einer Kompanie Tanks ( Shermans ), 6pdr. AT-Guns und Heavy Weapons ( Schwere MG Kompanie ).





Das Divisions-HQ und der Rest der Division greifen erst am zweiten Tag in die Schlacht ein. In Campomarino warten die drei Regimenter der 11th Inf.Brigade unter Viscount Arbuthnott und die Shermans von zwei Tank-Regimentern auf ihren Einsatz.

11th Inf.Brig








Die Briten: 2 Inf.Brigaden, 2 Tank-Regimenter und Commando Brigade


Unser Szenario:

Siegesbedingungen


Die deutsche Seite kann einen deutlichen Sieg erringen, wenn sie am Abend eines der beiden Spieltage die Stadt Termoli erobert hat. Für die britische Seite ist ein deutlicher Sieg möglich, wenn sich das Div.-HQ auf einer der Straßen auf der deutschen Spielfeldseite über den Tischrand hinausbewegen kann ( Durchbruch ).
Beide Parteien können einen marginalen Sieg erreichen, wenn sie am Spielende sowohl die Position „Brickwork“ ( Ziegelei ) und den Ort San Giacomo halten. Historisch ging das Gefecht als marginaler Sieg der Briten nach o.g. Bedingungen aus.





Aufstellung im britischen Brückenkopf


Der britische Kommandeur des Brückenkopfs Douglas Packard (Arno) musste zunächst verdeckt aufbauen und seine Artillerieziele festlegen. Packard sicherte Termoli mit der Commando Brigade und die Ziegelei (Brickwork) mit den 8th Argyll & Sutherlands Highlanders (ASH).

Die mögliche Übergangstelle für die Bailey-Brücke sollte das 6th Royal West Kents (6thRWK)  in Deckung hinter dem Eisenbahndamm verteidigen.Die Lücke dazwischen wurde vom 5th East Kent (5thEK) geschlossen.
Das Reconnaissance Battalion mit einem Troop Sherman-Tanks lag als Vorhut versteckt im Wäldchen am SW Winkel der Forward-Defensive-Line.










Deutsche Angriffsplanung

Der deutsche Kommandeur der 16.PzDiv Rudolf v. Sieckenius (Yogsothoth) plante einen direkten Stoß auf Termoli mit allen verfügbaren Kräften. 







Dazu sollte die KG Stempel aus Westen mit je einem verstärkten PzGren Bataillon über die Straßen und die Eisenbahnbrücke über das Flüsschen Sigorno vordringen.

KG v. Doering sollte zeitgleich von Süden San Giacomo durchqueren und auf die Ziegelei vorgehen.

Die Panzerspähabteilung sollte zunächst beim DivHQ in Reserve bleiben 






Spielverlauf

Nach gut geglückten Aktivierungen konnten beide Kampfgruppen zügig gegen Ihre Ziele vorgehen. Stempel überquerte mit beiden Gren. Bataillonen den Sigorno.






Von Doering durchquerte mit einem Batallion in Kolonne den Ort San Giacomo. Die Panzerspähwagen folgten mit dem Div-HQ.











Das andere Batallion der KG v. Doering rückte im Süden  bis auf 1“ an das Wäldchen heran und wurde bei Sichtung der britischen Recon-Einheit zum Anhalten gezwungen. Die PzGrenadiere stiegen sofort aus ihren Halbkettenfahrzeugen aus.







Douglas Packard nutzte seine Aktion um die isolierte Recon-Einheit im Schutz der Walddeckung ohne Verluste zurück zu ziehen. 










Im Verlauf der nächsten Spielrunden konzentrierten Sich die Kämpfe auf die Ziegelei. Ein Bataillonsangriff der KG Stempel konnte mehrfach zurückgeschlagen werden, zuletzt verpatze das Gren.Batallion seinen Moraltest und grub sich für diesen Tag ein ( „Going to Ground“).





Stempels zweites Batallion erreichte die Außenbezirke von Termoli um dort eines der beiden Commando-Bataillone zu entdecken. Ein erster Nahkampfangriff wurde von den Commandos erfolgreich zurückgeschlagen.







Auf dem südlichen Spielfeld konnte KG v. Doering Raum gewinnen. Eine glücklich platzierte und äußerst wirkungsvolle Artilleriesalve schaltete die Tank und die Armoured Car Einheit der britischen Späheinheit mit einem Schlag aus. Ohne wirkungsvolles Abwehrfeuer konnte die ungedeckte britishe Infantrie auf breiter Front nur noch zurückgehen. Ungünstig waren die 6pdr AT-Geschütze am linken Flügel platziert, wo sich bis zum Ende der Schlacht kaum ein Ziel anbot.


Zum Ende des ersten Tages gelang v.Doering die Einnahme der Ziegelei.
Mit Artillerie, Feuervorbereitung und anschließendem angriff konnten Stempels Grenadiere am späten Nachmittag in Termoli einbrechen. 






In der letzten Runde gelang es Ihnen, auch die zweite Commando-Einheit aus dem Ort zu treiben und das Spiel mit einem vorzeitigen Sieg zu beenden.










Zusammenfassung

Das Spiel war unser dritter Test der Regeln, diesmal in einer etwas vereinfachten Version von Bruce Weigle. Der Spielablauf war schon recht flüssig, das Ganze hat etwa drei Stunden Zeit in Anspruch genommen. Alle Mitspieler fanden die Regeln spannend und doch sehr epochenspezifisch. Wir werden sicher nochmals auf das Szenario zurück kommen, dann hoffentlich auch in voller Länge über beide Spieltage.





Bilder vom Historischen Schlachtfeld 


deutsche PAK am Brickwork


Panzer IV und Gegner in Termoli
Commando Soldat


Quellen im Internet:

Über die GBoWW2 Regeln:

http://theminiaturespage.com/rules/ww2/greatbat.html


Kommentare:

  1. Als deutscher Spieler hatte ich viel Spaß! Ich finde das Szenario recht ausgewogen, mein vorzeitiger Sieg hatte ja auch durchaus mit englischem Würfelpech in ein oder zwei entscheidenden Situationen zu tun. Es war auf jeden Fall ein Augenschmaus, auf dieser tollen Platte mit sehr guten 6mm Modellen zu spielen.
    Besonders gelungen fand ich die Notwendigkeit, vorausschauend für zwei Spieltage mit der, v.a. auf deutscher Seite, begrenzten Artillerie zu haushalten. Die hohe Moral der deutschen Truppen macht diese belastbar genug, um recht entschlossen die Offensive zu ergreifen. Der forsche Angriff hat wie geplant funktioniert, was bestimmt auch daran lag, dass die englische Artillerie nicht konzentriert genug zum Einsatz kam.
    Vielen Dank für einen tollen Spielabend an Mad Dog und Arno!

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  2. Zwei Dinge sind mir bei den Regeln aufgefallen, die ich so bei keinem WW2 Rgelwerk kenne:
    Die Gefechte bewegen sich kämpfend quer über die Platte ohne dass massive Verluste einer oder beider Seiten aufgetreten sind. Das entsprach ganz dem historischen Ablauf. Laut Quelle hatte die britische 36th Brig., welche im wesentlichen erfolgreich die Kämpfe des 6. Oktobers ausgetragen hatte, im ganzen 22 Tote und 105 Verwundete. Das sind bei einer Brigadestärke von ca. 2000 Mann gerade einmal 6% ! Ihre deutschen Gegenerdivision soll als Verlierer auch nur 42 Tote und 40 Verwundete und Gefangene verloren haben.

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